Von der Toga zum T-Shirt

Der Museumssteckbrief Teil 2: Deutsches Textilmuseum Krefeld

Was wird gezeigt?

Das Museum besitzt eine Sammlung von 30 000 Objekten von der Antike bis zur Gegenwart, aber Achtung: Es gibt keine ständige Ausstellung. Das Museum ist nur während der Sonderausstellungen geöffnet. Bis zum 29.09.2013 wird gezeigt „Der Kinder bunte Kleider“.

Eingangsbereich des Textilmuseums

Eingangsbereich des Textilmuseums

Für wen lohnt es sich?

Diese Ausstellung zeigt Kindermode der letzten 200 Jahre. Sie macht dabei deutlich, wie eng Kinderbekleidung mit dem kulturellen Begriff der „Kindheit“ verbunden ist. Während Kinder im Rokoko noch als kleine Erwachsene gesehen und auch so gekleidet wurden, kam mit der Aufklärung die Idee einer „Kind gerechten“ Bekleidung auf.

Napoleon mit Neffen und Nichten. Das Bild zeigt typische Kinderbekleidung um 1808 vom Chemise-Kleidchen über den Spielanzug zur Knabenuniform.

Das „Fatschen“ (von lat. „fascia“ – Binde) kam durch die Schriften von John Locke und Jean-Jacques Rousseau ebenso in Verruf wie das Schnüren der Mädchen. Bis ca. 1850 dominierte eine leichte, bequeme Kinderkleidung, dann wurde wieder geschnürt, bis die Tränen flossen.

Autoren finden in Krefeld einige aussagekräftige Anschauungsstücke der verschiedenen Epochen. Viele Objekte sind von allen Seiten zu betrachten und lassen über das handwerkliche Können vergangener Zeiten staunen. Man bekommt also viele Ideen für Details, aber keine umfassende Einführung in die (häusliche) Schneiderkunst.

Zur Geschichte des Museums

Krefeld war schon im 19. Jahrhundert ein Zentrum der Textilindustrie. Zu Fortbildungszwecken wurde daher eine Sammlung angelegt, die Stoffe aus allen Epochen und Regionen der Welt umfasst. 1936 übernahm Krefeld diese Sammlung als städtisches Museum. Ein Schwerpunkt lag seit jeher auf der Restaurierung gefährdeter Textilien. Das Museum, das ich seit 1981 in dem Gebäude in Krefeld-Linn befindet, bietet Interessierten daher auch eine Textilberatung an.

Meine (Ausstellungs-)Highlights

Was mich besonders berührt hat, war ein Schaukasten mit der Kinderausstattung eines Jungen aus der Gründerzeit. Er starb mit fünf Jahren, und die Familie hat nicht nur seine Kleidung und seine Spielsachen aufgehoben, auch die Dienstboten, bzw. Kindermädchen haben ihre Kleidung vom Todeszeitpunkt des Jungen aufbewahren lassen.

Belustigend ist es dann eher, auch die Kleidung aus der eigenen Kindheit im Museum zu sehen. Da sind sie wieder: Der Parker mit dem Schafsfellimitat und die Kleidchen mit dem Unsere-kleine-Farm Blümchenmuster.

Besonderes Plus

Das sind die Holzkästen im Vorraum, die man leicht übersieht (vom Eingang links, vor den Schaukästen zur Geschichte des Museums). In den Schubladen verbergen sich Stoffproben aus mehreren Jahrhunderten. Die Samt- und Seidenstoffe des 18. Jahrhunderts sind dabei besonders sehenswert.

Samt mit Stickerei, Ende 18. Jahrhundert

Für Autoren hilfreich sind auch die Sonderveröffentlichungen, die in der online Bücherliste zusammen gestellt sind, sowie das Angebot der Fachberatung.

… und das ist schade

Das Museum muss aus Kostengründen seine in Deutschland einzigartige (und größte) Sammlung meist im Archiv verstecken (ein Blick in alte Ausstellungskataloge bzw. in den Postkartenständer gibt einen Eindruck von den Schätzen). (Museum)

In der aktuellen Ausstellung zur Kindermode fehlen leider eine Warenkunde, bzw. Erklärungen textiler Fachbegriffe. Auch ein zeitlicher Überblick über die technische Entwicklung (Webstühle, heimische Nähmaschinen etc.) wird leider nicht geboten.

Gastronomie Angebot

Gibt es im Textilmuseum nicht. Im Museumskomplex Burg Linn gibt es aber ein Museumscafé mit einer Außenterrasse und einem kleinen Angebot hausgemachter Kuchen.

Und wenn man mit Kindern kommt….

Obwohl es eine Ausstellung zur Kindermode ist, eignet sie sich nicht für Kinder. Es fehlt z.B. an „Tast“- oder „Anprobierangeboten“. Sonstige visuelle Einspielungen oder interaktive „Spielereien“ für ältere Kinder gibt es ebenfalls nicht. Da manche Ausstellungsstücke (Kleider/ Puppen) nicht durch Glas geschützt sind, könnte die kindliche Neugier eher zu Stressmomenten führen. Es können aber spezielle Führungen/ Workshops für Schulklassen vereinbart werden.

Erreichbarkeit (Bahn)

Krefeld ist sowohl von Köln aus als auch vom Ruhrgebiet gut angebunden. Vom Bahnhof aus geht es mit der Straßenbahn (Linie 044) ca. 10 Min in Richtung Linn und dann noch mal 5 Min zu Fuß, vorbei an der Burg Linn und ihrem Park.

Für PKW-Fahrer gibt es Parkplätze direkt vor dem Haus.

Und wenn man schon mal da ist

Burg Linn

In Krefeld-Linn kann man durch einige schöne niederrheinische Gäschen streifen. Einen Besuch lohnen auch die Burg Linn, malerisch von einem Wassergraben umgeben, und das dazu gehörige Jagdschlösschen. Auch hier werden Sonderausstellungen gezeigt (2013 zum Thema „Tanzhusaren“).

Sehenswert ist auch das archäologische Museum, das sich im selben Komplex befindet.

Öffnungszeiten, Eintrittspreise, Service

!!!! Das Textilmusuem hat nur während der Sonderausstellungen geöffnet!!!!

Alles weitere hier

Weiter führende Literatur zum Thema/ Links:

Ingeborg Weber-Kellermann: Der Kinder neue Kleider. Zweihundert Jahre deutsche Kindermoden (Suhrkamp Verlag, 1985) – bietet die perfekte Vertiefung zur Ausstellung, außerdem einen ausführlichen Literaturanhang.

Zum Thema „Säuglingsbekleidung“ (Beitrag Wazmann-Forum)

About TanjaS

Ausgebildete Buchhändlerin, Literaturwissenschaftlerin M.A. , lebt und arbeitet in Köln. Themenschwerpunkt: "Das lange 19. Jahrhundert", bzw. die napoleonische Zeit. Aktuelle Veröffentlichung: "Matthias Claudius. Eine Romanbiografie", Brunnen Verlag. Zur Website von Tanja Schurkus.
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