„Ein unvergessliches Wochenende“

Sie ist Herz und Seele der Historica 2012 in Billerbeck: Seit einem Jahr kümmert sich Evelyn Barenbrügge um die Organisation der Quo Vadis-Veranstaltung in ihrer Heimatstadt. Ein Gespräch über kurze Wege, unerwartete Hilfe, Begeisterung und Vorfreude.

Quo Vadis: Ein Rückblick: Wie bist du zur Organisation der Historica in Billerbeck gekommen?

Evelyn Barenbrügge: Beim Stöbern auf der Quo Vadis-Website kurz nach meinem Eintritt im April 2011 bin ich über die Historica gestolpert. Mein erster Gedanke war, dass diese Veranstaltung unbedingt einmal in Billerbeck stattfinden sollte. Ich schickte Prospekte der Stadt an die zuständige Marketingleiterin Heike Koschyk. Anfang Oktober letzten Jahres fragte sie mich, ob ich mir vorstellen könne, dass bereits die Historica 2012 in Billerbeck durchgeführt würde. Nun, ich konnte. Und weil in Billerbeck die Wege schön kurz sind, dauerte es nicht lange, die Vertreter der Stadt, Bürgermeisterin Marion Dirks, Hubertus Messing vom Fachbereich Zentrale Dienste, Rolf Schmiedel, zuständig für Touristik und Kultur, sowie den Vorsitzenden der Werbegemeinschaft, Olaf Niermann, zu überzeugen. „Der Autorenkreis Quo Vadis sucht eine Heimat, Billerbeck möchte sie bieten“, sagte Marion Dirks bei unserem ersten Gespräch. Im November 2011 entschieden die Quo Vadis-Mitglieder auf der Historica in Singen zugunsten unserer Stadt, und zum Glück bekam ich ein paar alte Hasen an die Seite gestellt. So übernahm ich die Organisation.

QV: Warum passen die Historica und Billerbeck gut zusammen?

EB: Billerbeck ist ein Kochtopf voller Kultur, und wir würzen mit schmackhaften Zutaten wie Musik, Literatur, Film, Theater, Malerei, Bildhauerei, Ausstellungen, Konzerte, Lesungen. Die Freilichtbühne lockt seit über 60 Jahren mit jährlich vier Produktionen Tausende Theaterfreunde nach Billerbeck und leistet darüber hinaus eine hervorragende Jugendarbeit. Die Stadt und das Umland dienten bereits mehrfach als Kulisse in historischen Filmen, und sogar das Tatort-Duo Thiel und Börne ermittelt gern bei uns. Die Stadtrechte wurden vor 710 Jahren erteilt. Der ursprüngliche Name Billurbeki ist eng verknüpft mit dem ersten Bischof von Münster. Liudger, der Missionar des Münsterlandes, starb bei seiner letzten Visitationsreise am 26. März 809 in Billerbeck. Sein Sterbeort wurde zum Wallfahrtsort und der Ludgerusdom 1898 fertiggestellt. Das Ensemble alter Ackerbürger- und Speicherhäuser rund um die Johanniskirche aus dem 11. Jahrhundert sowie vereinzelte alte Handels- und Ackerbürgerhäuser, die in der Innenstadt und über das Stadtgebiet verteilt sind, bilden einen ausgewogenen Kontrast zwischen Historischem und Modernem.

QV: Wie haben die einzelnen Schritte zur Planung ausgesehen?

EB: Als Neuling war ich auf die Unterstützung der erfahrenen Quo Vadis-Kollegen angewiesen. Leider wurde ich mit schlechten Erfahrungen vergangener Jahre konfrontiert, die in entsprechende Forderungen umgesetzt wurden. Das war anfangs frustrierend, weil ich die Stadt Billerbeck aus meiner ehrenamtlichen Tätigkeit für die Freilichtbühne und meiner Pressearbeit so gut kenne und wusste, dass es hier anders läuft. Nach einem klärenden Gespräch beim Ortstermin im Februar planten wir in groben Zügen den gesamten Ablauf, formulierten und delegierten, haben mit den Hoteliers gesprochen und erfolgreich verhandelt. Die erste Aktion hinsichtlich der Historica fand im Rahmen des alljährlichen Büchermarktes im April statt, auf dem wir uns mit einem eigenen Stand und Lesungen mit Tanja Schurkus und Jörgen Bracker präsentierten. Dann passierte viel im Hintergrund: So wurde ein Künstler für die Gestaltung der Trophäe für den Sir Walter Scott-Preis beauftragt, und gleichzeitig mussten wir die Lange Lesenacht planen, zu deren Lesungen sich viele Kollegen gemeldet haben. Jetzt ging es an die Gestaltung der Plakate und Flyer. Der absolute Höhepunkt unserer Arbeit war der Ablauf des Galaabends, zum einen durch die Preisverleihung bestimmt, zum anderen wollten wir für ein ansprechendes Rahmenprogramm sorgen. Das gelingt ganz sicher durch die Einbindung der Freilichtbühne und der Musikschule Billerbeck. Für die Autoren und Besucher soll es ein unvergessliches Wochenende werden.

QV: Wer hat dich unterstützt, wie sah die Zusammenarbeit mit der Stadt aus?

EB: Vom Autorenkreis haben mich viele unterstützt und wenn ich mal nicht weiter wusste, kam aus dem Hintergrund stets Hilfe – manchmal sogar unerwartet. Die Zusammensetzung meines Orga-Teams hat sich im Laufe der Monate verändert. Es kamen Kollegen dazu, andere mussten sich aufgrund beruflicher Verpflichtungen zurückziehen. Jeder hat wertvolle Hilfe geleistet, doch ohne meine guten Beziehungen in und zur Stadt Billerbeck wäre eine reibungslose Planung wohl nicht möglich gewesen.
Wir haben in Billerbeck kurze Wege. Durch unser vertrauensvolles Miteinander konnten wir uns oft ganz spontan treffen. Die genannten Mitarbeiter der Stadt unterstützen das Projekt mit aller Kraft und konzentrieren sich darauf, dass alles gelingt. Die Werbegemeinschaft agiert im Stillen und unterstützt uns in der Logistik und mit manpower.

QV: Gab es Schwierigkeiten, die ihr aus dem Weg räumen musstet? Was hat unerwartet gut geklappt?

EB: Eine Herausforderung waren die Leseorte. Doch bei einem Ortstermin im Februar konnte ich meine Mitstreiter im Orga-Team von den nah beieinanderliegenden Räumlichkeiten in den zum großen Teil historischen Gebäuden überzeugen. Auch bei der Flyergestaltung mussten wir uns über mehrere Versuche annähern. Das betrachte ich aber als ganz normal. Wir hatten gewisse Vorstellungen und die Stadt wollte gewisse grafische Akzente, die sich im Flyer wiederfinden sollten, da sie das Image der Stadt widerspiegeln. Wir haben, wie ich denke, eine gute Lösung gefunden.
Sehr gut hat die Zusammenarbeit mit der Stadt, der Werbegemeinschaft, der Presse und der Buchhandlung geklappt. Auch die Inhaber und Betreiber der Leseorte sind begeistert und unterstützen uns.

QV: Gab es Momente, wo du die Lust am Organisieren verloren hast? Welche waren das?

EB: Zu Beginn, als ich mit Forderungen überhäuft wurde, da saß ich so richtig zwischen den Stühlen. Ich musste die Interessen des Autorenkreises vertreten, von dem ich niemanden kannte, und gleichzeitig meine harmonische Grundlage in der Zusammenarbeit mit der Stadt beibehalten. Schließlich lebe ich auch nach der Historica hier. Ich habe oft gegrummelt und manchmal auch in Telefonaten oder Mails meinem Herzen Luft gemacht.

QV: Das Motto der diesjährigen Historica lautet „Literarische Zeitreise“. Wie erfüllt ihr das Motto mit Leben?

EB: Das Motto ist ja durch das Leseangebot schon erfüllt. Immerhin decken wir vom 9. bis zum 19. Jahrhundert eintausend Jahre Geschichte ab. Hinzu kommt die historische Bedeutung der Gebäude, in denen die Lesungen stattfinden. Selbst die Zeitreise ist erfüllt, da die Besucher zwischen den Vorträgen z.B. vom Mittelalter in die Neuzeit wechseln können. Genügend Zeit dazu ist eingeplant, und verlaufen kann sich auch niemand, denn Mönche aus Umberto Eco´s „Der Name der Rose“ weisen den Weg. Kerzenschein führt die Besucher rund um die Leseorte in eine Vergangenheit ohne Laternen.

QV: Wie reagieren die Billerbecker auf die ersten Vorzeichen der Historica wie Plakate oder Artikel in der lokalen Presse?

EB: Mit großer Spannung und Vorfreude. Sie freuen sich, dass es neben dem Büchermarkt in diesem Jahr einen zweiten literarischen Höhepunkt gibt. Die Plakate sehen schön historisch aus und von den Flyern sind die Billerbecker begeistert, zeugen sie doch von der Qualität der Historica. Die Leute sprechen mich auf der Straße an und stellen sich zu Hause ihr ganz persönliches Hörvergnügen zusammen. Sie loben das große literarische Engagement der Stadt und fühlen sich vom Programm stark angesprochen. Die ersten Plätze an den Leseorten sind reserviert.

QV: Worauf freust du dich besonders?

EB: Endlich alle, mit denen ich bisher nur per E-Mail Kontakt hatte und die wenigen, mit denen ich telefoniert habe, persönlich kennenzulernen.

QV: Womit wirst du dich nach einer gelungenen Historica belohnen?

EB: Mit einem Glas südafrikanischem Rotwein am Kamin. Entscheiden sich die Mitglieder 2013 erneut für Billerbeck, ist das mehr als genug Belohnung für mich. Dann wird alles einfacher, denn ich kenne den Ablauf und muss keine Überzeugungsarbeit leisten. Abschließend bedanke ich mich ganz herzlich bei Jörgen Bracker, Katrin Burseg, Fritz Gesing, Kerstin Groeper-Schmäling, Marion Henneberg, Marlene Klaus, Heike Koschyk, Christiane Lindecke, Petra Reategui, Alessa Schmelzer, Tanja Schurkus, Susanne Wahl und Maren Winter für die großartige Unterstützung.

 

Zur Person: Evelyn Barenbrügge, 1958 in Münster geboren, arbeitete nach der Ausbildung zur Bauzeichnerin und dem Studium der Bautechnik am Westfalentechnikum Dortmund von 1998 bis 2006 als freie Journalistin und Fotografin beim Verlag Lensing-Wolff in Dortmund. Parallel absolvierte sie ein dreijähriges Schreibstudium an der Akademie für Fernstudien in Hamburg, seit 2008 veröffentlichte sie mehrere Kurzgeschichten in verschiedenen Anthologien.
Im Februar 2011 erschien ihr Debütroman „Leeres Versprechen“, der vom Schicksal einer Bauernfamilie im sauerländischen Attendorn in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts erzählt, die zu den vielen Siedlern des dritten Schwabenzuges unter Maria Theresia zählen und dem Aufruf der Habsburgerin nach Österreich folgt.

mehr: www.evelyn-barenbruegge.de

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