Stammplatz auf den Bestsellerlisten

Der Historische Roman erfreut sich nach wie vor großer Beliebtheit. Zwei Erhebungen zeigen die Trends und Perspektiven des Leserfavoriten auf.

Autorinnen dominieren den Markt: Frauen beherrschen das historische Genre

„Es ist besser, eine Frau zu sein“, sagt Alf Leue, Autor und Urheber einer Studie zum Thema „Trends und Perspektiven des Historischen Romans“, provokant. Denn der Blick auf die Top 100 der Historischen Romane auf amazon.de zeigt: 66 Prozent der Erfolgsbücher im April 2012 waren von einer Frau geschrieben worden. Zum Vergleich: Auch im Januar 2011 führte das weibliche Geschlecht mit 56 Prozent. Leue, Autor des Historischen Romans „Der Fluch des Medicus“ und Mitherausgeber des neuen Quo Vadis-Gemeinschaftsromans „Die vierte Zeugin“, hatte seine Erhebung im Rahmen einer Quo Vadis-Fachtagung in Wolfenbüttel präsentiert.

Auch Carlo Feber, Autor („Die Tote im Winterhafen“) und Urheber der Studie „Quo vadis, scriptor?“, die auf der Datenbasis der Frühjahrsprogramme 2012 aller großen, mittleren und einiger Kleinverlage basiert, erläuterte dort seine ausführliche Untersuchung. Sein Ergebnis: 87 Prozent aller Titel der Frühjahrsprogramme entfielen auf Autorinnen. Ein weiteres Resultat seiner Untersuchung: 63 Prozent aller publizierten Titel sind Deutschsprachige, bei den Übersetzungen, so zeigt auch Leues Studie, dominieren britische Autoren den Markt.
Geradezu unmöglich scheint es für deutsche Autoren zu sein, im Historischen Roman über eine männliche Hauptfigur zu schreiben. Feber: „Beim ‚Mittelalter-Muster‘ sind es 91 Prozent weibliche Hauptfiguren, für ‚Love and Landscape‘ 80 Prozent und bei sonstigen Titeln 85 Prozent.“ Nur im „Histo-Krimi“ agieren lediglich 25 Prozent weibliche Protagonistinnen. „Hier ist die Nische für männliche Hauptfiguren“, so Carlo Feber.

Spätmittelalter ist gut, 19. Jahrhundert wird besser

Trend im historischen Genre: Die sentimentale Romanze à la Love and Landscape gefällt Verlagen und Lesern.

In der Epoche, die der Leser bevorzugt, gibt es laut Leue nach wie vor einen eindeutigen Favoriten. Das Spät-Mittelalter (2012: 36 Prozent) führt vor der Zeit des 16. bis 18. Jahrhunderts (2012: 18 Prozent). Verloren hat das Früh-Mittelalter (2011: 16 Prozent, 2012: 7 Prozent), leicht hinzugewinnen konnte das 19. Jahrhundert (2011: 15 Prozent, 2012: 18 Prozent). Auch das 20. Jahrhundert verzeichnet einen Anstieg des Leserinteresses (2011: 6 Prozent, 2012: 8 Prozent). Autor Leue: „Spätmittelalter ist gut, das 19. Jahrhundert wird besser.“ Diesen Trend spiegelt auch Febers Datenbasis wider. Im Frühjahrsprogramm 2012 dominiert das 19. Jahrhundert den historischen Roman (34 von insgesamt 134 Titeln), wobei deutsche Titel deutlich vor Übersetzungen rangieren.

Ein weiterer Trend im historischen Roman, so Feber, ist die sentimentale Romanze. „14 Prozent der Erzählmuster entfallen inzwischen auf das Genre ‚Love and Landscape‘, 16 Prozent auf den ‚Histo-Krimi‘ und 21 Prozent auf das ‚Mittelalter-Muster‘.“ 79 Prozent aller „Love and Landscape“-Romane entstammen deutscher Feder.

E-Book verdrängt das Hardcover

E-Book kommt: In wenigen Jahren könnten Hardcover im Bereich des Historischen Romans nahezu vom Markt verschwunden sein.

Auf der Verlagsseite beherrschen nach wie vor zwei Anbieter das Marktgeschehen: Bastei-Lübbe führt die Amazon-Top-100-Liste der Historischen Romane im April 2012 mit 28 Prozent an, dann folgt Droemer-Knaur mit 17 Prozent. Neu eingestiegen ist Amazon mit seinem E-Book-Angebot Kindle, das im Vergleichszeitraum von Null auf zehn Prozent stieg.
Einen weiteren Trendwechsel macht Leues Studie in der Medienentwicklung aus. Während das Taschenbuch in der Lesergunst von 91 auf 68 Prozent sinkt und das Hardcover nur noch drei Prozent der Bestseller im Historischen Roman ausmacht, schießt das E-Book (Kindle) von Null auf 27 Prozent. „In wenigen Jahren“, so Leues Fazit, „könnten Hardcover im Bereich des Historischen Romans nahezu vom Markt verschwunden sein.“

 

Die von Alf Leue durchgeführte Erhebung basiert auf einer Auswertung der Top 100 der Historischen Romane auf amazon.de. Betrachtet wurden die Listen vom Januar 2011 und April 2012. Die Datenbasis und Auswertung stellt eine Momentaufnahme dar, Trends und Perspektiven sind jedoch deutlich erkennbar.

Die von Carlo Feber und Christiane Lindt erstellte Datenbasis fußt auf dem Frühjahrsprogramm 2012 aller großen, mittleren und Kleinverlage. Diese Programme von insgesamt 49 Verlagen wurden ausgewertet und die jeweiligen historischen Romane den Auswertungskategorien zugeordnet.

 

 

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