Stolpersteine im Netz

Mehr als 32.000 kleine Gedenktafeln aus Messing erinnern in Deutschland und Europa an die Opfer der NS-Zeit. Der Künstler Gunter Demnig hat das Projekt vor fast zwanzig Jahren ins Leben gerufen. Nun ist das Mahnmal auch in der digitalen Welt zu erleben.

Gunter Demnig ist ein Mann, der Zeichen setzen möchte. Der Bildhauer und Konzeptkünstler, 1947 in Berlin geboren, hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Erinnerung an die Vertreibung und Vernichtung der Juden, Sinti und Roma, politisch Verfolgten und anderen Opfer im Nationalsozialismus lebendig zu halten. „Ein Mensch ist vergessen, wenn sein Name vergessen ist“, sagt Demnig. Rund 250 Tage im Jahr reist er durch die Lande, um Stolpersteine zu verlegen. Sie sollen an das Schicksal der Menschen erinnern, die ermordet, deportiert, vertrieben oder in den Suizid getrieben wurden. Die Stolpersteine, kubische Betonwürfel mit einer Kantenlänge von zehn Zentimetern, tragen auf ihrer Oberseite eine individuell beschriftete Messingplatte mit Namen und Daten der Toten. Demnig verlegt sie in der Regel vor den letzten frei gewählten Wohnhäusern der NS-Opfer in das Pflaster des Gehwegs. „Wer den Namen des Opfers lesen will, muss sich hinunterbeugen“, so Demnig. „In diesem Moment verneigt er sich vor ihm.“

Ein Stein. Ein Name. Ein Mensch.

Die Erinnerung an das Unaussprechlich wach zu halten, beschäftigt den Künstler bereits seit 1990. Zum fünfzigsten Jahrestag der Deportation von Roma und Sinti aus Köln zog er mit einer rollbaren Druckmaschine die Deportationswege durch die Stadt nach. Einen ersten Stein verlegte Demnig 1992 ebenfalls in Köln. In den Folgejahren entstand ein zunächst theoretisch angelegtes Konzept für das Projekt „Stolpersteine“, das von notwendigen sechs Millionen Gedenksteinen in ganz Europa ausging. Der Pfarrer der Antoniter-Gemeinde in Köln ermunterte Demnig jedoch, wenigstens einige Steine zu verlegen, um ein Zeichen zu setzen. 1995 verlegte Demnig probeweise und ohne Genehmigung die ersten Steine in Köln, später auch in Berlin. 1997 durften die ersten zwei behördlich genehmigten Steine in St. Georgen bei Salzburg verlegt werden. In Deutschland konnten erst im Jahr 2000 weitere amtlich genehmigte Stolpersteine gesetzt werden. Mittlerweile ist das Projekt jedoch dank vieler Paten und Unterstützer ein Selbstläufer, die Stolpersteine haben sich zum weltweit größten dezentralen Mahnmal entwickelt. Demnig wurde für seine Arbeit und sein Engagement mit vielen renommierten Preisen ausgezeichnet, darunter der German Jewish History Award und der Bertini-Preis.

Stolpersteine herunterladen

Liegen die Daten für einen neuen Stolperstein vor, legt Demnig den Text fest. Dieser beginnt meist mit den Worten „Hier wohnte …“, es folgen Name, Geburtsjahr, ein individueller Text, häufig das Deportationsjahr und der Todesort des Opfers. Die Herstellung der Stolpersteine erfolgt ausschließlich in Handarbeit, der Künstler versteht dies als Gegensatz zur maschinellen Menschenvernichtung in den Konzentrationslagern. Finanziert werden die Steine durch private Spenden, ein Stein inklusive Verlegung kostet 120 Euro. Das Projekt Stolpersteine-online.com bringt das Mahnmal nun auch ins Netz, um so Menschen in aller Welt und vor allem Jugendliche online stolpern zu lassen. Unterstützer der Aktion können sich einen Stolperstein für ihre Website herunterladen und helfen, die Erinnerung lebendig zu halten.

Mehr unter: www.stolpersteine-online.com

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