Autorenporträt: Kerstin Groeper

„Gerade in Romanen kann man die Leser mitfiebern lassen und so eine Empathie für diese fremde Kultur vermitteln. Sie erleben die Ungerechtigkeit, die diesen Völkern angetan wurde, quasi am eigenen Leib und entwickeln ein Verständnis dafür, was diesen Menschen genommen wurde.“

Wie ging es im Wilden Westen tatsächlich zu – das ist das Lebensthema von Kerstin Groeper. Schon seit ihrer Kindheit beschäftigt sich die Autorin intensiv mit den „Native Americans“. Die Tochter des Schriftstellers Klaus Gröper verbrachte einen Teil ihres Lebens in Kanada, dort lernte sie Lakota, einen Dialekt der Siouxsprache. „Wie bei vielen Deutschen begann mein Interesse mit den Büchern von Karl May und Liselotte Welskopf-Henrich“, erklärt die gebürtige Berlinerin ihre Faszination für die nordamerikanischen Indianer. „Je mehr ich mich mit ihrer Kultur und Geschichte befasste, umso mehr zweifelte ich jedoch an der damaligen amerikanischen Geschichtsschreibung über die Indianerkriege und an dem Stereotyp des ‚grausamen Wilden‘. Heute bin ich davon überzeugt, dass der Krieg gegen die Indianer ein Völkermord und die Vernichtung einer großartigen, in vielen Bereichen überlegenen, Kultur war.“

Schon früh kommt ihr der Gedanke, die Geschichte, Spiritualität und Vielschichtigkeit der indianischen Kulturen in Romanen darzustellen. Doch erst der Kino-Erfolg „Der mit dem Wolf tanzt“ verführt Kerstin Groeper dazu, die Sprache der Lakota-Sioux zu erlernen. „So öffneten sich Türen, die mir ansonsten verschlossen geblieben wären, und ich erhielt tieferen Zugang zur Kultur und Spiritualität des Stammes.“

Vor einigen Jahren beschließt Kerstin Groeper dann, sich ausschließlich mit der Kultur und Geschichte der Plains- und Prärie-Indianer zu befassen. „Vor allem aber wollte ich historische Indianerromane schreiben und aus der verstaubten Ecke der Kinder- und Jugendliteratur herausholen.“ Lakota-Freunde wie Leonard Little Finger (Nachfahre des Häuptlings Big Foot) und Henry Red Cloud (Nachfahre des Häuptlings Chief Red Cloud) ermutigen sie, ihre Werke zu veröffentlichen. So entstehen die Romane „Wie ein Funke im Feuer“ (2012 im Traumfänger Verlag), „Die Feder folgt dem Wind“ (2010), „Kranichfrau“ (2009) und die Kinder- und Jugendbücher „Geflecktes Pferdemädchen“ (2011), „Blitz im Winter“ (2009)  und „Meine Mutter, der Indianer und ich“ (2009).

„In meinen Romanen entführe ich meine Leser in eine völlig fremde Welt und lasse sie am Leben der verschiedenen Indianerstämme teilhaben.“ In Deutschland existiere ein eher verklärendes, asexuelles Bild der Indianer oder das Westernklischee des grausamen Wilden, so die Schriftstellerin. „Meine Bücher zeigen Indianer in ihrer ganzen Vielfalt: Sie sind sehr humorvolle Menschen, liebevoll und großzügig, aber auch grausam und rücksichtslos, wenn sie angegriffen werden oder sich auf Kriegszügen befinden.“

Kerstin Groeper lebt heute als freie Schriftstellerin mit ihrem Mann und drei Kindern in der Nähe von München. Neben ihren Romanen schreibt sie regelmäßig für das renommierte „Magazin für Amerikanistik“. Die engagierte Autorin ist aktives Mitglied einer Vereinigung, die sich für den Fortbestand der Sprache und Kultur der Sioux-Indianer einsetzt. Regelmäßig ist sie zu Gast in Museen, Schulen und Kindergärten und hält dort Vorträge und Lesungen über die indianische Kultur. Seit November 2011 ist sie außerdem Sprecherin des Autorenkreises Quo Vadis.

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